Berliner Zeitung: Ein Semester an der katholischen Uni Lima (11.5.00)

Studium im Ausland

Ein Semester an der katholischen Uni Lima

Ein, zwei Semester ins Ausland gehen? Klar, aber wohin? Im job!JOURNAL berichten Heimkehrer von ihren Erfahrungen. Der Betriebswirt Thomas Petersmann war ein halbes Jahr in Lima, der Hauptstadt Perus.

Das Studium: Ich habe ein Semester meines BWL-Hauptstudiums in Lima verbracht, wo ich nur an drei Seminaren teilnahm, weil ich vor allem das Land kennen lernen wollte. Danach konnte ich mir einen Schein in Allgemeiner Betriebswirtschaftslehre anrechnen lassen. In dem extrem verschulten System gibt es ständig Hausaufgaben und Referate, welche die Studenten in Gruppenarbeit erledigen. Beispielsweise entwickelten wir eine Exportstrategie für Macca, eine kartoffelartige Knolle aus Peru, die angeblich sogar gegen Krebs helfen soll.

Die Uni: Die Pontifica Universidád Católica del Perú ist eine der teuersten Universitäten des Landes. Je nach Einkommen der Eltern zahlen die Studenten 1 000 bis 8 000 Mark pro Semester. Das ist eine ganze Menge Geld in Peru, wo drei Viertel der Bevölkerung in Armut leben. Der Campus der Uni ist ein wunderbarer Park, der den ganzen Tag von Gärtnern gepflegt wird. Eigenartig erscheint das dünne Angebot der Bibliothek, wo es zu jedem Thema nur wenige Standardwerke gibt. Wer mehr wissen will, geht in der Bibliothek leer aus.

Die Professoren: Der Stoff wird von Privatdozenten vermittelt, die die Uni-Arbeit oft nur als Nebenjob machen. Mein Dozent für Strategische Planung etwa gab immer Abendkurse, weil er tagsüber als Manager beim Telefonkonzern Telefonica del Perú arbeitete. Das war zwar praxisnah, aber oberflächlich, weil er nur seine Lieblingstheorien erklärte. Negativ wirkt sich auch die schlechte Bezahlung der Dozenten aus. Ein Kommilitone, der einen mittleren Rang bei der Marine hatte, lud unseren Dozenten in einen Luxusclub für Militärs ein. Vielleicht hat nur er deswegen den Kurs bestanden.

Die Kommilitonen: Das ganze Leben spielt sich in der Cafeteria ab, wo man sich zum Quatschen trifft und die Gruppenarbeiten erledigt. Ständig durfte ich dort von meinem Stuhl aufspringen, weil ich neue Bekannte vorgestellt bekam. Das stört zwar die Arbeit, half aber beim Spanischlernen. Gewöhnen musste ich mich auch an die Unpünktlichkeit der Kommilitonen, bei denen eine Stunde Verspätung zum guten Ton zählt.

Die Stadt: Lima ist ein Moloch mit neun Millionen Einwohnern, die größtenteils in den Slums am Stadtrand leben. Die meisten Bezirke sollte man nicht ohne Begleitung aufsuchen, doch in den reicheren Vierteln wie San Isidro oder Miraflores kann es sehr schön sein.

Das Wetter: Der Sommer ist in Lima schwül-heiß und im Winter ist der Himmel grau wie ein Wischlappen. Während meine Kommilitonen bei 15 Grad Celsius mit Strickpullover und Handschuhen zur Uni kamen, trug ich T-Shirt.

Das Nachtleben: Discos sind teuer. Bis zu 30 US-Dollar kostet der Eintritt für zwei Personen. Deshalb bin ich lieber mit meinen Freunden in Bars im Künstlerviertel Barranco gegangen, wo das Bier in Zwei-Liter-Kannen serviert wird. Als ich Trinkgeld geben wollte, sagte mein Freund Antonio, dass ich es lieber ihm geben solle. So arm sind die Leute in Peru.

Und sonst: Salsa! Wer den Rhythmus mag, kann ihn überall hören: im Bus, auf der Straße, im Supermarkt. Wer nicht tanzen kann, sollte am Wochenende den Kennedy-Park im Ausgehviertel Miraflores meiden. Dort wird jeder Ausländer zum Tanz gezerrt und die johlende Meute macht sich über ihn lustig.

Die Pontifica Universidad Catolica

Die Católica in Lima wurde 1917 gegründet und ist damit die älteste Privatuniversität des Landes. 13 000 Studenten sind hier eingeschrieben.

Ausländische Studenten dürfen an der Hochschule höchstens zwei Semester studieren, in Ausnahmefällen werden vier Semester genehmigt.

Dabei dürfen die Ausländer höchstens drei Kurse pro Semester belegen, was zwischen 1 125 und 1 500 Dollar Studiengebühren kostet.

Erscheinungsdatum: 11. Mai 2000

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Berliner Zeitung: Erst mal heimlich Probeliegen (11.5.00)

Gründergeschichten - Bedhunter 

Erst mal heimlich Probeliegen

Zwei Berliner haben in ihren alten Jobs jede Menge Hotels kennen gelernt. Jetzt vermitteln sie die besten - übers Handy.

von Markus Göbel

Internet-Startups sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren. Beim Berliner Unternehmen Bedhunter etwa sitzen keine übernächtigten Studienabbrecher vor den Monitoren, es liegen keine leer gegessenen Pizzaschachteln auf dem Boden und während der Arbeit schallt auch keine Musik aus den Computerboxen. So war es während der Gründungswelle der vergangenen Jahre, als Firmen wie Alando starteten, die heute mit ihrem Erfolg Vorbilder für eine zweite Generation sind.

Bei Bedhunter dagegen herrscht Geschäftsatmosphäre: In dem zum Bürogebäude ausgebauten Hinterhaus in Prenzlauer Berg trägt man Krawatte, recherchiert still am Computer, und das Team wirkt im Durchschnitt deutlich älter als dreißig. 

Ein neuer Markt entsteht

Wundern tut einen all das nicht. Matthias Kose, einer der Chefs und Gründer von Bedhunter, war vorher Unternehmensberater bei der Unternehmensberatung A. T. Kearney, wo man normalerweise ein sechsstelliges Gehalt verdient. "Bei Startups ist mittlerweile fast immer ein Unternehmensberater dabei, weil die einfach das Know-how zum Gründen haben", sagt der 32-Jährige. Im vergangenen Jahr warf er seinen Job hin und gründete mit seinem Schulfreund Matthias Garke die Firma Bedhunter. Garke ist heute ebenfalls 32 Jahre alt und arbeitete früher als Hotelmanager. Für viel Geld richtete er etwa im First-Class-Hotel "Rotana" in Dubai Hochzeitspartys für 1 500 Personen aus.

Bedhunter betreibt seit der letzten Internationalen Tourismusbörse (ITB) einen Hotelbuchungsdienst per WAP-Handy. Mit diesen neuen Mobiltelefonen kann der Kunde auf die Webseite www.bedhunter.com surfen. Dort klickt er an, in welcher Stadt er übernachten will und nennt den Stadtteil, die Hotelkategorie und eine Preisgrenze. Die Eingabeprozedur soll nur dreieinhalb Minuten dauern und der Nutzer weiß danach sofort, in welchem Hotel ein Bett für ihn reserviert ist. Bedhunter vermittelt den Hotels die Gäste und kassiert dafür Provision. Und weil die Hotels durch die elektronische Buchung weniger Verwaltungsaufwand haben, sollen die Übernachtungen für die Gäste erheblich billiger sein.

"Auf der Cebit im Mai 1999 merkte ich, dass jetzt die Post im Mobile Commerce abgeht. Da wollte ich dabei sein", sagt Kose. Er hat erkannt, dass ein riesiger neuer Wachstumsmarkt entsteht, wenn Handy und Internet zusammenwachsen. Das Marktforschungsinstitut Giga Information Group rechnet damit, dass sich in zwei bis drei Jahren weltweit mehr Menschen über ihr Mobiltelefon ins Netz einwählen als über den heimischen PC. In Deutschland gibt es zur Zeit erst 150 000 WAP-Handys, bis zum Jahresende sollen es aber bereits eine Million sein. Die Telekom geht davon aus, dass der neue Markt für mobile Online-Anwendungen bis 2002 ein Umsatzvolumen von bis zu 60 Milliarden Mark erreicht. 

Ein Controller vom Adlon 

Und Bedhunter möchte ein möglichst großes Stück vom Kuchen abhaben. Die nächsten Ausbaustufen sind Kooperationen für die Vermittlung von Flugtickets und Mietwagen sowie die Vermittlung von Ausgehtipps. Auf der ITB schloss Bedhunter auch einen Vertrag mit dem Ticket-Händler Tiss und kann nun 30 Millionen Flugverbindungen von über 200 Gesellschaften vermitteln. Beim Stadtführer Starwap.com füllt Bedhunter die Unterkategorie "Hotels". 

Die Idee zu Bedhunter kam Kose, als er als Unternehmensberater viel reisen musste. Weil er oft auf den letzten Drücker sein Hotel buchen ließ, landete er manchmal in Absteigen, die zu teuer, zu laut oder zu ungemütlich waren. Genau dieses Problem will Bedhunter lösen, indem die Firma in jedem Stadtteil nur mit dem besten Hotel jeder Preiskategorie zusammenarbeitet. Damit es auch wirklich das beste Hotel ist, mieten sich Bedhunter-Mitarbeiter dort vorher incognito ein und prüfen den Service. "Die Hälfte unserer Mitarbeiter sind Hotelprofis und stammen von Firmen wie SAS Radisson, Arabella Sheraton oder Hyatt", sagt Kose. Den Controller seines Unternehmens hat er vom Berliner Hotel Adlon abgeworben. 

Weil Bedhunter bisher seine Werbekampagne noch nicht hat anlaufen lassen, ist davon auszugehen, dass das Unternehmen derzeit noch keine großen Umsätze erzielt. Genaue Zahlen will Matthias Kose nicht nennen. Noch nutzt die Firma ihre relative Unbekanntheit und werkelt in Ruhe an ihrem Auftritt. Bald soll man in allen großen deutschen Städten Bedhunter-Hotels buchen können. "Das schlimmste ist, wenn man zu früh Werbung macht und dann Kunden verprellt, weil sie nicht ordentlich buchen können oder wenn das System zusammenbricht", sagt Kose. 

Mit Erspartem gestartet

Eine ähnliche Zurückhaltung legt er auch im Umgang mit Investoren an den Tag. Nachdem die Bedhunter-Chefs Kose und Garke im Mai 1999 ihre Jobs gekündigt hatten, finanzierten sie neun Monate lang den Aufbau der Firma aus ihren Ersparnissen. Auch die Angestellten machten Abstriche beim Gehalt. "Je weiter der Aufbau der Firma vorangebracht ist, um so geringer ist der Anteil, den man dem Risikokapitalgeber überschreiben muss", sagt Kose zur Taktik. Denn die "Venture Capitalists", die häufig neu gegründete Unternehmen finanzieren, wollen Profit machen, indem sie einen großen Anteil an der Firma erwerben und ihn später mit hohem Gewinn verkaufen.

Bei der Auswahl des Risikokapitalgebers halfen Kose seine Erfahrungen als Unternehmensberater, da er früher selber Startups in Finanzierungsfragen betreut hat. Als Bedhunter im vergangenen Herbst seine Vorstellungstour bei den Financiers begann, wussten viele der Kapitalgeber mit der Geschäftsidee noch gar nichts anzufangen. Auf der ITB im Februar sagte dann einer, der damals kein Geld geben wollte: "Es war ein Fehler, euch abzulehnen." Da arbeitete Bedhunter bereits mit dem Investor Fort Knox Venture AG aus Köln zusammen. Weiteres Kapital bekam das Unternehmen durch einen Zuschuss der Technologie-Beteiligungs-Gesellschaft mbH, einer Tochter der Deutschen Ausgleichbank. 

Das Personalproblem haben Kose und Garke bisher elegant gelöst, obwohl es doch als größtes Problem der Internet-Branche gilt. Sie stellen in großem Umfang Freunde und Bekannte ein. So kannte beispielsweise Geschäftsführer Matthias Kose den Programmierer Hans-Werner Wirp noch vom Studium an der Technischen Universität Berlin. Wirp schaffte es wiederum, seinen Freund Burkard Mohr von der Bankgesellschaft Berlin wegzulocken. Der arbeitet heute sieben Tage pro Woche als Technikchef von Bedhunter. Sogar am Wochenende klinkt er sich per ISDN von zu Hause aus in den Unternehmensrechner ein. Er findet es nach eigenem Bekunden spannend, eine neue Firma vom Start weg mit aufzubauen. "Wenn alles schief geht, kann ich immer noch woanders hingehen", sagt Mohr lakonisch.

Doch ernsthaft rechnet damit bei Bedhunter zurzeit niemand. In drei Jahren will das Unternehmen erstmals einen Gewinn erwirtschaften und dann auch an die Börse gehen. Noch in diesem Jahr soll die Anzahl der festen Mitarbeiter auf 30 verdoppelt werden. Und seitdem Bedhunter mit Vorzugsaktien fürs Personal lockt, haben sich weitere befreundete Unternehmensberater als Mitarbeiter beworben. 

Auf einen Blick

Das Unternehmen: Bedhunter besteht seit letztem Jahr und hat seinen Sitz im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg. Auf der Internationalen Tourismusbörse im März hat sich die Firma erstmals einer größeren Öffentlichkeit vorgestellt.

Die Gründer: Bevor er sich selbstständig gemacht hat, war Matthias Kose Unternehmensberater. Sein Partner Matthias Garke arbeitete als Hotelmanager. Beide sind 32 Jahre alt und kennen sich noch von der Schule. 

Das Geschäft: Die Firma vermittelt Hotelbetten über internetfähige Mobiltelefone, so genannte WAP-Handys. Weil die Hotels auf diese Weise Kunden bekommen, zahlen sie Bedhunter eine Provision. 

Die Pläne: Zurzeit beschäftigt das Unternehmen 15 feste Mitarbeiter, Ende des Jahres sollen es 30 sein. Die ersten Gewinne werden in drei Jahren erwartet. Dann will Bedhunter auch an die Börse gehen. 

Bedhunter
Greifswalder Straße 207
10405 Berlin
Tel.: 030/47373-0
www.bedhunter.com

Erscheinungsdatum: 11. Mai 2000

Original-URL des Artikels:
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/jobjournal/_html/jobjournal0500/gruenden3.html

Berliner Zeitung: Berater für Bäcker, Klempner und Konzerne (11.5.00)

Praxis im Studium - Das Wissen verkaufen

Berater für Bäcker, Klempner und Konzerne

Studentische Unternehmensberatungen wie das Berliner CCT können sich erfolgreich am Markt behaupten. Nach dem Examen finden die Aktiven oft problemlos einen Job.

von Markus Göbel

Der Job des Unternehmensberaters zählt zu den begehrtesten Berufen überhaupt. Es lockt ein bis zu sechsstelliges Gehalt und die hohe Wahrscheinlichkeit, über den Umweg einer großen Consulting-Firma auf attraktiven Posten bei anderen Unternehmen zu landen. An fast allen deutschen Universitäten haben deshalb Studenten in den vergangenen Jahren eigene Unternehmensberatungen gegründet, die als Sprungbrett zu den großen Häusern der Branche dienen sollen. Über 50 studentische Unternehmensberatungen bieten ihre Dienste bundesweit an, allein in Berlin und Potsdam gibt es vier davon.

Neben dem Company Consulting Team (CCT) an der TU sind dies Uniconsult von der Freien Universität, die eng mit dem Existenzgründer-Institut Berlin zusammenarbeiten, Uniclever in Potsdam sowie BCPro an der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft. Ein weiterer TU-Verein, TUBUS, hat sich gerade mit CCT zusammengeschlossen. 

Vor dem großen Geldverdienen kommt allerdings die Plackerei. "Oft habe ich monatelang gar nichts verdient, außer Erfahrungen", sagt Ahmet Tombul (27), Vorsitzender des CCT. Neben seinem Studium der Betriebswirtschaft arbeitet er bis zu 20 Stunden pro Woche in der Beratung. In den zwei kleinen Büroräumen des CCT im so genannten "WIL-Gebäude" der Technischen Universität, Wilmersdorfer Straße 148, wuseln während der Bürozeit zwischen 10 und 12 Uhr die Jungberater durcheinander. Das Telefon klingelt häufig und trotz seiner lässigen Kleidung beantwortet Tombul jeden Anruf akkurat und smart, als ob er schon seit Jahren in der Branche arbeiten würde. Auf einer Wandtafel steht der Bearbeitungsstand der laufenden Aufträge. Von kleineren Projekte wie "Bäckerei" oder "Klempnerei" ist dort zu lesen. Aber auch von großen Namen wie Adtranz oder DaimlerChrysler.

Der Preis überzeugt die Kunden

Sigrid Markscheffel vom Hennigsdorfer Fahrzeugbau-Unternehmen Adtranz etwa hat mit den Studenten nur gute Erfahrungen gemacht: "Sie sind sehr engagiert und gehen unkonventionell an die Probleme heran", sagt sie. Für Adtranz hat das CCT untersucht, wo die Firma Kosten für Computer, Telefone und Handys einsparen kann. Da die Studenten für relativ wenig Geld gute Arbeit abgeliefert haben, hat die Firma auch akzeptiert, dass das CCT-Büro nur zwei Stunden pro Tag geöffnet ist und sich die Terminabsprache mit den Beratern relativ aufwändig gestaltet. Außerhalb der Öffnungszeit geht nur ein Anrufbeantworter ans Telefon, die Studenten müssen ja auch in ihre Vorlesungen. Als klassisches Verhältnis von Kunde zu Lieferant dürfe man die Sache nicht sehen, meint Markscheffel: "Eigentlich müssten die sich ja nach uns richten." 

Immer donnerstags um 18.30 Uhr treffen sich die CCT-Leute, um den Stand der Projekte zu besprechen und neue Studenten in die Arbeit einzuführen. Mitarbeiten können Studenten aller Fakultäten und Universitäten, die Lust dazu haben. "Wir machen keine Assessment-Center wie professionelle Unternehmensberatungen", sagt Alexander Horn (22), Psychologie-Student im vierten Semester und Vorstand des CCT.

Neueinsteiger arbeiten erst einmal im Büro mit, bevor sie auf die Kunden losgelassen werden. Nachdem sie mehrere Schulungen, beispielsweise in den Bereichen Projektmanagement, Informationstechnologie oder Produktpräsentation absolviert und außerdem in untergeordneter Position an einem Projekt für einen Kunden mitgearbeitet haben, können sie ordentliche Vereinsmitglieder des CCT werden. Das bedeutet nicht etwa, dass sie Mitgliedsbeitrag bezahlen müssen, sondern dass sie nun selber Projektteams leiten, Kunden akquirieren und die zukünftige Strategie des CCT mitbestimmen dürfen. Zurzeit hat das CCT knapp 30 Mitglieder und ungefähr ein Dutzend Anwärter auf die Mitgliedschaft.

Für ihre Beratungsleistungen nehmen die Studenten nur 40 Mark pro Stunde. Die professionellen Kollegen kosten ein Vielfaches davon. Doch wegen des Geldes arbeitet sowieso keiner bei CCT. Die Unternehmensberatung ist ein eingetragener Verein, der keinen Profit machen darf. Für die Dauer eines Beratungsprojektes gründen die Beteiligten eine Gesellschaft Bürgerlichen Rechts und spenden am Ende ein Viertel der Honorare an das CCT. Mehr als 1 000 Mark pro Monat sind für die Berater meistens nicht drin. Und wenn man die komplette Arbeitszeit mit einberechnet, bleibt am Ende ein Stundenlohn, der irgendwo zwischen einer und drei Mark liegt.

Nützlich für den Gegencheck

Große Firmen nutzen die billige Arbeitskraft der Studenten gern für Marktforschungen. Für Fragebögen zur Kundenzufriedenheit braucht es keine große Berufserfahrung und für komplizierte Strategie-Entscheidungen holen sich die Betriebe doch lieber Rat bei den Branchenriesen wie McKinsey oder Roland Berger.

Oder sie nutzen die billigen Studenten, um Arbeitsergebnisse der teureren Profi-Beratungen gegenzuchecken. So arbeitete das CCT drei Wochen in der Niederlassung eines großen Automobilzulieferers. Durch umfangreiche Mitarbeiterbefragungen erforschten sie die Abläufe in Verwaltung, Controlling und Finanzen des Betriebes. Nach 700 Arbeitsstunden erfuhren die Studenten bei der Präsentation der Ergebnisse, dass sie genau dasselbe herausgefunden hatten, wie eine parallel arbeitende Profi-Beratung in einer anderen Filiale.

Anders sieht es bei Mittelständlern aus. Für Manuela Roettger, Mit-Inhaberin der Kreuzberger "Brotgarten Vollkornbäckerei", war das Honorar ein wichtiges Kriterium. "Profi-Unternehmensberater kann sich unser kleiner Betrieb doch gar nicht leisten", sagt sie. Roettger war per Zufall auf einen Zeitungsartikel gestoßen, der sich mit studentischen Unternehmensberatungen befasste. Sie wandte sich daraufhin an das CCT. Die studentischen Berater nahmen sich mehrere Wochen Zeit, entwickelten einen Fragebogen und ließen ihn von 300 Kunden ausfüllen. Aus dem Umfrage-Ergebnissen entwickelten die Studenten ein Marketing-Konzept für die Bäckerei und ihre vier Filialen. Mit dem Ergebnis ist Roettger zufrieden: "Die haben vernünftige, bezahlbare Arbeit gemacht", sagt sie.

In ihrem jüngsten, abgeschlossenen Projekt haben sich die Leute von CCT mit dem Berliner Risikokapitalgeber "Founders Farm" befasst. Er wollte im Markt Fuß fassen und hatte auch genügend Geld, das er in junge Internetfirmen investieren wollte. Was fehlte, war aber ein stichhaltiger Kriterienkatalog, um im Bereich E-Commerce gute Geschäftsideen von schlechten unterscheiden zu können. Das CCT bildete eine vierköpfige Task Force unter dem 27-jährigen Wirtschaftsmathematik-Studenten Christian Zimmer, die innerhalb von zehn Tagen das neue Marktsegment durchleuchtete und ihre Empfehlungen abgab. Nachdem sie weltweit Datenbanken angezapft und Angestellte von erfolgreichen Internetfirmen per E-Mail oder persönlich interviewt hatten, empfahlen sie ihrem Kunden, sein Geld vorrangig in Internetfirmen zu stecken, die Plattformen für Geschäftsbeziehungen zwischen Unternehmen betreiben. 

Damit alle CCT-Mitarbeiter immer auf dem neuesten Stand sind, gibt es pro Semester vier Schulungen. So verlangt es der Bundesverband Deutscher Studentischer Unternehmensberatungen (BDSU), dessen Mitglied das CCT ist. Der BDSU versteht sich als eine Art Qualitätssicherung für die Branche, denn nur die besten Beratungen dürfen hinein. Um in den 1992 gegründeten Verband aufgenommen zu werden, müssen studentische Unternehmensberatungen mindestens ein Jahr lang warten. Dann müssen sie mindestens drei abgeschlossene Beratungsprojekte vorweisen können sowie von ihren Kunden zur Aufnahme empfohlen werden.

Studentische Unternehmensberatungen können eine lange Tradition vorweisen: Unter dem Label Junior Enterprise (JE) gründete sich 1967 an der französischen Eliteuniversität Essec die erste Initiative. Europaweit arbeiten heute mehr als 300 Beratungsinitiativen. Sie sind vernetzt in der Junior Association für Development in Europe (Jade), die in Brüssel ihren hauptamtlichen Vorstand hat.

Jade soll eine koordinierte Weiterentwicklung der studentischen Unternehmensberatungen ermöglichen und die länderübergreifende Zusammenarbeit einzelner Initiativen in Netzwerken fördern. Mit Hilfe von Jade können die Studenten auch internationale Projekte abwickeln. So unterstützte das CCT im Frühjahr 1998 eine neu gegründete polnische Initiative durch einen Workshop an der Warschauer School of Economics. Christian Zimmer vom CCT arbeitete auch schon für eine studentische Unternehmensberatung in Brasilien, wo Jade seine einzige Niederlassung außerhalb Europas hat.

 Studieren müssen sie auch noch

Das Engagement bei studentischen Unternehmensberatungen zahlt sich aus. Viele Kunden picken sich aus den Beraterteams der studentischen Unternehmensberatungen ihren Nachwuchs heraus. Michael Konias, ehemals CCT, landete nach einem erfolgreichen Projekt in der Research-and-Development-Abteilung von Adtranz. CCT-Vorstand Eike Tölle arbeitet heute ebenfalls bei Adtranz als IT-Vorstandsassistent. Sein Vorstandskollege Daniel Tisch verdient sich gerade seine Sporen als Praktikant bei Andersen Consulting, wo auch schon Marcus Schreyer, ehemals CCTler, mit 26 Jahren als Berater einstieg.

Doch mindestens ebenso wichtig wie die Erfahrung in der Unternehmensberatung ist immer noch ein guter Abschluss in einem Studium, das durch die Arbeit als Junior-Berater nicht zu sehr in die Länge gezogen werden darf. Deshalb arbeitet auch CCT-Vorsitzender Ahmet Tombul in den nächsten Monaten bei keinem Projekt als Berater mit. Er will Prioritäten setzen und sich zunächst voll aufs Lernen für das Seminar "Strategische Unternehmensplanung" konzentrieren. Und natürlich auf seine Hauptdiplom-Prüfung Ende Juli.

Erscheinungsdatum: 11. Mai 2000

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Berliner Zeitung: In Rampenlicht und Dunkelheit (11.5.00)

Arbeitstage: Tänzerin

In Rampenlicht und Dunkelheit


Was macht eigentlich eine Tänzerin in einer New-Yorker Dance-Company den ganzen Tag?

von Markus Göbel

 Der Tag beginnt für Nandini Thomas um 8 Uhr mit einem großen "Om!". Meditation und Yoga sind für die 26-Jährige der Weg, um sich von den Strapazen des sechsstündigen Trainings am Vortag zu entspannen. "Mein Körper ist ein Instrument, das ich jeden Tag stimmen muss", sagt sie. 

Nandini ist von Beruf Tänzerin, ihr Arbeitgeber die Limón Dance Company in New York, die als eine der besten der Welt gilt. Die Deutsche mit ceylonesischem Vater stieß im April 1999 als Gasttänzerin dazu, nachdem sie eine vierjährige Bühnentänzer-Ausbildung an der Essener Folkwang-Schule beendet hatte und ein Stipendium des Kultusministeriums von Nordrhein-Westfalen erhielt. Heute muss sie ihr Instrument besonders gut stimmen, denn sie wirkt am Abend im berühmten Joyce Theater zum ersten Mal im Stück "The Winged" mit.

9 Uhr. Mit einer großen Tasche voll Kleidung macht sich Nandini auf den Weg. Sie wohnt in einem 10 Quadratmeter kleinen WG-Zimmer, das in einer üblen Zone von Brooklyn liegt und im Monat 800 Mark Miete kostet. Der 38er-Bus soll sie Richtung Downtown Brooklyn bringen, doch er wird auf halber Strecke gestoppt. Überall Polizisten, zwei Hubschrauber kreisen, Sirenen heulen. Es ist aber nur ein Protestmarsch, der sich schnell wieder auflöst. An der De Kalb Avenue steigt Nandini in die U-Bahn nach Soho und freut sich, als sie beim Überfahren der Manhattan Bridge die Freiheitsstatuesieht.

10 Uhr. Nandini erreicht den Sitz der Limón Dance Company am Broadway. Im Tanzstudio drängeln sich bereits 40 Kollegen vor dem Spiegel und folgen den Anweisungen von Tanzlehrerin Risa Steinberg. Die Tänzer kommen unter anderem aus Venezuela, Frankreich, China und den USA. Viele müssen nachts arbeiten, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

13 Uhr. Nach einer halben Stunde Mittagspause sind nur noch die zwölf besten Tänzer im Studio, um sich für den Auftritt am Abend vorzubereiten. Im Stück "The Winged" geht es um Vögel. Die Chefin der Gruppe leitet die Tänzer penibel an. Alles muss synchron laufen und expressiv wirken, so dass der Zuschauer einen Schwarm Kraniche oder das Pferd Pegasus in den Bewegungen der Tänzer erkennt.

15 Uhr. Nandini nutzt die kurze Verschnaufpause, um Haarklammern zu kaufen und im Internetcafé E-Mails zu checken. Ihr Freund schreibt aus Berlin, dass er sie vermisst und viel Glück für den Auftritt wünscht.

17 Uhr. Ankunft im Joyce Theater. Noch drei Stunden bis zum Vorstellungsbeginn. In der Garderobe, die sie mit acht anderen Tänzerinnen teilt, findet Nandini einen großen Blumenstrauß, den eine Freundin geschickt hat. Der steigenden Spannung begegnet sie mit einem Ritual: Sie ordnet ihre Haarklammern, Schminke und Cremes auf dem Tisch. Danach geht sie zur Kostümbildnerin und prüft die Garderobe für den Abend. 

18 Uhr. Nandini prüft, wie glatt der Boden auf der Bühne ist, damit sie bei der Aufführung nicht ausrutscht. Um die Anspannung zu lindern, geht sie in den Ballettsaal hinter der Bühne und meditiert wie am Morgen. Dann wärmt sie sich an der Ballettstange auf. Später schminkt sie ihr Gesicht, damit sie vogelartig aussieht. 

20 Uhr. Die Aufführung beginnt, doch Nandini hat ihren Auftritt erst später. Sie wartet im Ballettsaal und geht ein letztes Mal mit den anderen Tänzern die Bewegungsabläufe durch. Gegen zehn Uhr ist Nandini an der Reihe. Sie geht raus auf die Bühne, wo die Tänzer umherlaufen und mit ihren imaginären Flügeln schlagen, bevor sie sich fallen lassen wie Wasservögel, die auf dem Meer landen. Nandini löst sich aus dem Tumult, fliegt und landet in der zweiten Reihe. Dann verwandelt sie sich in einen grazilen Flamingo, der mit langen Beinen über die Bühne stolziert. Nach einer halben Stunde fällt der Vorhang. Tosender Applaus. 

23 Uhr. Nandini mischt sich unter das Publikum der Premierenfeier. Es gibt Umarmungen und Küsse zum gelungenen Auftritt. Doch zu lange darf Nandini nicht feiern, weil sie morgen wieder sechs Stunden trainieren muss. Gegen Mitternacht fährt sie mit der U-Bahn zurück nach Brooklyn. Da es hier nachts gefährlich ist, macht sie einen Umweg, um nicht am dunklen Park vorbei zu müssen. Um möglichst unauffällig auszusehen, hat sie die Kapuze ihres Mantels übergezogen.

Der Beruf

Der Weg zum Berufstänzer ist lang. Er sollte möglichst früh mit einer Ausbildung in Ballett und modernem Tanz beginnen.

Für die Karriere empfiehlt sich ein Abschluss einer staatlichen Tanzschule. Die meisten bilden vorrangig Ballettänzer aus, die Folkwang-Hochschule in Essen konzentriert sich hingegen auf modernen Tanz. 

Gute Tänzer sind sehr begehrt und können sich ihre Engagements aussuchen. Weniger gute Tänzer arbeiten an kleineren Theatern. 

Wer Glück hat, bekommt einen Vertrag über zwei Jahre in einer Gruppe, der sich automatisch verlängert. Allerdings sind Anstellungen, die auf eine Produktion befristet sind, für viele Tänzer die Regel. 

Erscheinungsdatum: 11. Mai 2000

Original-URL des Artikels:
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/jobjournal/_html/jobjournal0500/einsteigen6.html

Markus Göbel, Journalist

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