Microsoft Magazin 01/2002: Prädikat: besonders wertvoll (1.1.02)

Microsoft Magazin 01/2002, S. 70-72

Prädikat: besonders wertvoll

Microsoft Most Valuable Professionals helfen mit ihren Fachkenntnissen Anwendern und Entwicklern in den Newsgroups - selbstlos und unentgeltlich.

Microsoft nennt sie nicht umsonst MVPs - Most Valuable Professionals. Wertvoll sind sie für das Unternehmen schon deshalb, weil sie unermüdlich in Internetforen Fragen beantworten. Microsoft betreibt über 1800 öffentliche Newsgroups weltweit, davon 111 in deutscher Sprache, wo Nutzer sich gegenseitig Tipps geben. Die fleißigsten Nutzer dieser Newsgroups beantworten dabei viel mehr Fragen, als sie selber stellen: Sie sind Experten. Damit helfen sie anderen und tragen zur ständigen Verbesserung der Software bei.

Wer so in den Newsgroups positiv auffällt, der wird von Community-Mitgliedern oder Microsoft Mitarbeitern als MVP nominiert. Dieser Titel wird jeweils für ein Jahr vergeben. Bezahlt wird die Arbeit der MVPs nicht. Als kleine Belohnung gibt es jedoch einen MVP Award, kostenlose Software und Schulungen sowie die Möglichkeit zur Selbstdarstellung auf den Web- Seiten von Microsoft.

Weltweit gibt es derzeit 714 MVPs, davon 54 deutschsprachige. Bei besonders kniffeligen Problemen schreiben manche gar kleine Programme zur Lösung und verbringen so manchmal Stunden am Tag mit der unentgeltlichen Beantwortung von Nutzerfragen. Deshalb geht unter den MVPs auch der Witz um, die Abkürzung bedeute in Wirklichkeit: "müssen viel posten".

FRANK CARIUS

"Bitte nicht über den Sendezeitpunkt der Beiträge wundern!", schreibt Nachtarbeiter Frank Carius, seit 1993 selbständiger Computerberater, in seinem Kurzporträt auf den Web-Seiten von Microsoft. "Die Zeitzone stimmt schon." Weil er die freie Zeiteinteilung liebt, beantwortet Frank Carius User- Anfragen gerne zu ungewöhnlichen Zeiten.

Als Carius im Februar 1999 aus heiterem Himmel einen Anruf von Microsoft bekam, ob er nicht MVP werden wolle, konnte er nicht einmal etwas mit der Abkürzung anfangen. Doch er ließ sich schnell begeistern. Hauptberuflich berät Carius Firmen beim Einsatz von Microsoft Exchange und Microsoft Windows 2000. Lösungen aus seiner Arbeit und den Newsgroups stellt er auch auf seiner Homepage www.msexchangefaq.de zur Verfügung. Dabei verschweigt er nicht, dass seine Mitarbeit in den Newsgroups auch als Werbung in eigener Sache dient. "Eine bessere Möglichkeit, Know-how zu dokumentieren, gibt es kaum." Am lustigsten findet es der 33-jährige Ingenieur, wenn er auf der CeBIT an seinem Namensschild erkannt wird und scheinbar wildfremde Leute ihm die Hand schütteln wollen, weil er ihnen schon so viele Fragen im Internet beantwortet hat.

Frank Carius glaubt, dass in Zukunft nicht mehr die passende Software das Problem sein wird, sondern ihr fachgerechter Einsatz. Die modernen Softwarepakete seien vielseitig genug. Doch die Integration von Verzeichnisdiensten und Nachrichtensystemen in lokalen Netzwerken und dem weltweiten Verbund nimmt immer weiter zu. "Trotz Standards bleiben aber viele Fragen offen, ehe die Zusammenarbeit wie gewünscht funktioniert."

ANETTE BECKER

Anette Becker, Unternehmerin, steht nicht nur als MVP eng mit Microsoft in Kontakt. Seit mehreren Jahren schon ist sie Fachhandelspartnerin des Softwarehauses. Mit ihrer Firma PC-Creativ in der norddeutschen Gemeinde Kölln-Reisiek programmiert sie EDV-Lösungen für kleine und mittelständische Unternehmen. "Das Zeitalter der Karteikarten ist längst vorbei", sagt Anette Becker. "Und doch verwalten manche Unternehmen ihre Kundendaten getrennt von den Rechnungsdaten und diese wiederum getrennt von den Auftragsdaten. Oft erfüllt eine Standardsoftware nicht die speziellen Anforderungen, und es werden halbherzige Kompromisse geschlossen."

Anette Becker erstellt für ihre Kunden maßgeschneiderte Auftragsbearbeitungen, Artikelverwaltungen oder Warenwirtschaftssysteme in Microsoft Access. Weil sie zusätzlich noch als EDV-Trainerin arbeitet und viel Zeit in den Access Newsgroups von Microsoft verbringt, ist für die 41-Jährige ein Tag mit 24 Stunden sehr kurz. Doch die Schulungen für Einzelpersonen oder Firmen sind ein wichtiger Aspekt ihrer Arbeit. "Programme kann man mit Werkzeugen vergleichen. Je besser Sie mit dem Werkzeug umgehen können, desto schneller und leichter kommen Sie zu dem gewünschten Ergebnis." Auch in den Newsgroups ist ihr Wissen sehr gefragt. Manche Anwender suchen schon seit Tagen eine Lösung für ihr Problem, bevor sie in der Newsgroup schreiben. "Wenn dann die Lösung kommt, freuen die Leute sich, sind glücklich und dankbar. Helfen macht einfach unheimlich viel Spaß."

FRANK ARENDT-THEILEN

Am Anfang war bei Frank Arendt- Theilen, selbständiger IT-Trainer, Web Designer und Hoster, die Neugier. Seit Anfang des Jahres 1999 las er regelmäßig die Newsgroup microsoft.public.de.excel und wunderte sich, warum manche Teilnehmer in der Signatur ihrer Beiträge immer die Buchstaben MVP stehen hatten. Der damalige MVP für Excel, Hans Herber, brachte ihn in Kontakt mit der deutschen MVP Programm Managerin Evelyn Ruf; schon bald war der ausgebildete Lehrer und Programmierer selbst MVP für Excel. Zurzeit widmet Arendt-Theilen sich als Hausmann vor allem seinen beiden kleinen Kindern. Nebenbei arbeitet er daheim als Freiberufler.

Auf seiner Web-Seite www.xl-faq.de hat der 45-Jährige Dutzende von Lösungen veröffentlicht, die sich aus seiner täglichen Arbeit in der Excel Newsgroup ergeben haben. Jeden Tag liest er ungefähr 100 Beiträge aus der Newsgroup und schreibt zwischen fünf und 20 Antworten. Meistens handelt es sich um Automatisierungsprobleme, die mit Makros in Visual Basic for Applications (VBA) gelöst werden können. Viele Fragen beantwortet er sofort. Wenn's komplizierter wird, sieht seine Vorgehensweise so aus: Problem durchdringen, in der eigenen Wissensdatenbank, der Literatur oder im Internet recherchieren, einen geeigneten Algorithmus finden, eine Testumgebung aufbauen und das Makro darin testen.

Für die Zukunft glaubt Arendt-Theilen, dass das Internet noch wichtiger wird, als es heute schon ist. "In keinem anderen Medium ist es möglich, eine Frage so wie in einer Newsgroup zu platzieren und damit, zumindest rein theoretisch, mehrere Millionen Antworten zu erhalten."

JOCHEN WIEGMANN

Jochen Wiegmann, selbständiger IT-Consultant, Trainer und Entwickler, zählte zu den ersten deutschen MVPs überhaupt. 1996 verlieh ihm Microsoft erstmals diesen Titel - und zwar für sein Engagement im deutschsprachigen Support-Forum des Microsoft Networks (MSN). Wenig später wurde Wiegmann zum Assistant Forum Manager ernannt. Mit drei weiteren MVPs kümmerte er sich um Kundenanfragen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Ende 1997 wurde das MSN in ein Internetportal umgewandelt. Etwa zeitgleich startete Microsoft Deutschland ein MVP Programm für Mitteleuropa. Wiegmann, zuvor im US-Programm beheimatet, fand sich schon bald im gerade aus der Taufe gehobenen Programm wieder. "Jenseits des Atlantiks - auch weltweit - war ich einer unter vielen. In Europa gehörte ich mit einem Mal zu einer illustren Dreierrunde."

Seitdem ist viel passiert: Der einst überschaubare Kreis wurde im Laufe der Zeit durch hochkarätige Akteure erweitert. Wiegmann baute aus der bis dahin mit Reklame überfluteten Microsoft Project Newsgroup auf dem öffentlichen Newsserver von Microsoft ein interessantes und hilfreiches Forum für deutschsprachige Project-Anwender auf. "Als Moderator der Project Newsgroup", sagt er, "liegt es mir besonders am Herzen, dass die Beiträge in dieser Diskussionsgruppe von Sachverstand geprägt sind und angenehme Umgangsformen herrschen."

ANDREAS HEIB

Andreas Heib, Journalist, hat einen etwas ungewöhnlichen Werdegang für einen MVP. Er arbeitet nicht in der IT-Branche, sondern beim Radio. Heib leitet die Online-Redaktion von Radio Bremen. Auch sein Studium (Indogermanistik, Jiddistik, Latein und Griechisch) ließ nicht erahnen, dass er 1998 in den Kreis der Technikexperten des MVP Programmes aufgenommen werden würde. 1995 kaufte der heute 47-Jährige seinen ersten PC, schon ein Jahr später wurde er Beta- Tester für Microsoft. 1998 kam sein erstes Buch über Windows 98 heraus, inzwischen hat er vier Werke zum Thema geschrieben.

Um immer auf dem neuesten Stand zu sein, liest Heib regelmäßig deutsche und internationale Newsgroups und hilft, wo er kann. So wurde er als MVP entdeckt. In Zukunft will Heib sich mehr den sozialen Folgen der Technisierung zuwenden. Er sieht die Gefahr, dass sich die Welt beim Thema Computer in Insider und Unwissende spaltet und durch IT-Einsatz weitere Arbeitsplätze verloren gehen. Auch der Datenschutz ist ihm wichtig.

BERND HELD

Bernd Held arbeitet heute als Fachbuchautor, Programmierer und Dozent. Früher war einmal Leistungssportler. Doch nach einer Verletzung hängte der zweimalige deutsche Jugendmeister über 400 Meter Hürden den Sport an den Nagel. Inzwischen beschäftigt er sich vor allem mit der Tabellenkalkulation Microsoft Excel. Deshalb ist der 32-Jährige fast täglich im deutschen Excel Forum von Microsoft zu finden. Helds Arbeit wird in der Szene sehr geschätzt: 1999 ernannte ihn Microsoft für seine klugen Forumsbeiträge zum MVP; seine Excel Homepage www.held-office.de ist sehr gut besucht. Dort präsentiert der Informatiker unter anderem 13 Fachbücher, die er über Excel, Works und Windows geschrieben hat.

Das Autorendasein betrieb Held bisher nebenberuflich; seit Jahresbeginn ist er selbständig und konzentriert sich ganz auf den früheren Nebenerwerb. Durch seine Newsgroup gewann er sogar Freunde fürs Leben. So lernte er einen Getränkehändler kennen und half ihm, sein System auf Excel umzustellen. Von der Bestellung bis zur Rechnungsstellung läuft jetzt alles über EDV. Seine letzten beiden Bücher über den richtigen Einsatz von Excel durch die Nutzung von Microsoft Visual Basic for Applications, der Programmiersprache von Microsoft Office, waren ein großer Erfolg. Deshalb möchte Held sich noch weiter mit diesem Thema beschäftigen.

MICHAEL GRETH

Michael Greth, freier Internetberater und Trainer, ist ein alter Hase, wenn es um das Web-Design-Programm Microsoft FrontPage geht. Er arbeitete damit schon 1995, als es noch in der Version 1.0 von der Firma Vermeer Technology vertrieben wurde, die ein Jahr später von Microsoft gekauft wurde. Greth hat mehrere Online Microsites für die Berliner Niederlassung von Microsoft entwickelt. Seit über fünf Jahren betreibt Greth im Internet ein eigenes FrontPage Forum (www.frontpagefaq.de).

Weil er in den FrontPage Newsgroups von Microsoft einen großen Teil seiner Zeit verbrachte, kam Greth im Dezember 1997 auf die Idee, sich als MVP zu bewerben. Fünf Monate später wurde er in das Programm aufgenommen. An der Arbeit in den Newsgroups liebt er vor allem die Interaktivität. Denn dort werden die User selbst aktiv und pflegen den alten Gedanken des Internets, Informationen nicht nur zu nehmen, sondern auch zu geben. "Ehe ich in endlose Diskussionen eintrete, ob es sich um einen Bug handelt, suche ich lieber nach der Lösung", sagt der 44-Jährige. Außerdem hat er über die Newsgroups viele Kontakte geknüpft und Aufträge erhalten. Als heißes Eisen für die nächsten Jahre betrachtet Michael Greth mobile und Location based Services im Web sowie Lösungen zur effizienten Arbeit, so die SharePoint Team Services und den Microsoft SharePoint Portal Server.




STICHWORT NEWSGROUPS

Newsgroups sind Foren im Web, die sich mit einem konkreten Thema beschäftigen. Sie funktionieren wie Schwarze Bretter. Jeder Nutzer, der sich an bestimmte Regeln hält (Netiquette), kann dort Beiträge (Postings) lesen, platzieren oder beantworten.

Microsoft betreibt über seinen Server derzeit über 1800 öffentliche Newsgroups, davon 111 in deutscher Sprache. Die Themen erstrecken sich über das gesamte Spektrum der Softwarewelt. Sie reichen von Access über Java bis zu Zertifizierung.

MVP Programm Managerin Evelyn Ruf: "Microsoft erhält über die Newsgroups wichtiges Feedback zu seinen Produkten. Die Postings geben Aufschluss darüber, welche Probleme die Produktanwender bei der täglichen Arbeit haben. Diese Erfahrungen der Anwender helfen mit, die Produkte zu verbessern."




mehr?

Links zu Newsgroups von Microsoft Produkten und zu den Web-Seiten der selbstlosen Most Valuable Professionals finden Sie unter www.microsoft.com/ germany/business/magazin/menschen

Giesecke & Devrient Report 01/2002: Schlankheitskur für dicke Geldbörsen (1.1.02)

Giesecke & Devrient Report 01/2002, S. 18/19

Schlankheitskur für dicke Geldbörsen

Moderne Chipkarten bringen so viele Funktionen unter, dass in Zukunft dafür eine Karte ausreicht - Experten halten allerdings drei für sinnvoll.

Oracle-Chef Larry Ellison trägt nie ein dickes Portemonnaie bei sich und auch keinen Minicomputer. "So etwas beult mir nur die maßgeschneiderten italienischen Anzüge aus", sagte das Enfant terrible der Softwarewelt auf der Messe "Oracle Open World" in Berlin. Ellison hat es einfach, weil er fast immer mit Assistenten unterwegs ist. Doch bei den meisten Menschen steht ein dickes Portemonnaie heute nicht mehr für Reichtum wie bei dem Multimilliardär, sondern für eine Menge Plastikkarten. Fast 30 davon besitzt beispielsweise Ralf Günther, Vorstand der börsennotierten Berliner Risikokapitalgesellschaft BMP. Drei Kreditkarten, Bahncard, Bonuskarten von Sixt und von vier Fluglinien, Krankenkassenkarte und noch mehr bringen seine Geldbörse beinahe zum Platzen.

Dabei könnte eine einzige Karte genügen: Technisch ist es kein Problem, alles auf einer Chipkarte zu vereinen. Beispielsweise ist die GeldKarte, von der seit 1997 über 50 Millionen in Umlauf gebracht wurden, mit acht Bit Rechenleistung genauso leistungsstark wie der legendäre 15 Jahre alte Heimcomputer Commodore C64. Auf der Karte lassen sich nicht nur Geldbeträge abspeichern, sondern auch Bonuspunkte und Fahrkarten. Die Stadtwerke München haben 80 000 Geldkarten namens M-Card ausgegeben, die bei der Stadtsparkasse München bis maximal 200 Euro aufgeladen werden können. Wer seinen Hallenbadbesuch oder im Handel mit der M-Card bezahlt, bekommt automatisch Punkte gutgeschrieben, die seine nächsten Einkäufe billiger machen.

Noch mehr Funktionen mit Seccos

Doch während die M-Card nur in München funktioniert, wird es auf der CeBIT richtig spannend, wenn die neuen Geldkarten kommen, die mit dem Betriebssystem Seccos funktionieren. Sie sind im Rahmen der Chipmigration, die durch die großen Kreditkartenunternehmen Europay, Mastercard und Visa (EMV) vorangetrieben wird, auch international einsetzbar. Zusätzlich sind die neuen Karten offen für zukünftige Banking-Standards, und man kann jetzt schon eine elektronische Signatur abspeichern, mit der seit Mai 2001 in Deutschland rechtsverbindlich unterschrieben werden darf.

Doch es gilt als unwahrscheinlich, dass in Zukunft nur noch eine Chipkarte im Portemonnaie stecken wird. "Realistisch betrachtet, muss es mindestens drei Karten geben: zunächst den Ausweis, der eine Bürgerkarte sein könnte. Außerdem werden die Banken auf einer eigenen Karte bestehen, weil sie ein Werbeträger ist. Und dann wird es die Gesundheitskarte geben", sagt Willi Berchtold, Geschäftsführer von Giesecke & Devrient.

Ausweisdokument mit Signaturfunktion

Die Behörden auf Macao stellen zurzeit die Ausweisdokumente der Bürger um. Statt der bisher üblichen Papiere geben sie Chipkarten aus, auf denen die Daten von Fingerabdrücken gespeichert sind. Doch moderne Smartcards können weit mehr als nur diese Daten speichern. Entsprechend programmiert, sind sie zum Beispiel in der Lage, auch einen Teil der erforderlichen Funktionalitäten für die digitale Signatur zu übernehmen. Aus der Kombination von offiziellem Ausweis und Signaturfunktion ergibt sich eine praktische Bürgerkarte, mit der nicht nur Behördengänge elektronisch erledigt, sondern auch rechtsverbindliche Geschäfte abgeschlossen werden könnten.

Als einer der ersten Kunden in Deutschland setzt die HypoVereinsbank (HVB) multifunktionale Karten in einem Feld- versuch ein. Damit kann jeder Kunde im Internet oder an Automaten Standarddienstleistungen der Bank wie Adressänderungen oder die Bestellung von Reiseschecks bequem und schnell erledigen. Er "unterschreibt", indem er die Karte ins Lesegerät einführt und seine Geheimzahl eingibt. Die persönlichen Daten, das so genannte digitale Zertifikat, sind im Geldchip der Karte integriert.

Millionen sparen durch eGovernment

Mit einer digitalen Signatur auf einer Chipkarte können nicht nur Bankgeschäfte autorisiert werden, sie kann auch für virtuelle Behördengänge eingesetzt werden. Der Bund will in den nächsten vier Jahren insgesamt 376 Dienstleistungen über das Internet anbieten. Bundesinnenminister Otto Schily geht davon aus, dass sich dadurch Einsparungen von gut 400 Millionen Euro pro Jahr erzielen lassen. Einige Banken planen bereits, diese Funktionalität auf eine Bankkarte zu übertragen. "Eine EC- oder Bankkarte hat heute quasi jeder, da liegt das auf der Hand", sagt Melanie Krahl von der TC Center- Trust AG, die zusammen mit der HVB das System entwickelt hat.

Interessant sind Kombikarten auch für das Gesundheitswesen. Allein im Rechnungswesen der deutschen Sozialversicherungen sollen sich eine halbe Milliarde Euro und damit zehn Prozent der Verwaltungskosten sparen lassen, wenn die Mitarbeiter mit der digitalen Signatur arbeiten. Doch bisher wird die neue Technik erst einmal im Ausland erprobt. G&D versorgt in den nächsten zwei Jahren 24 Millionen Taiwanesen mit einer intelligenten Krankenversicherungskarte, die mit einem Mikroprozessor ausgestattet ist, und startet damit das weltweit größte auf Java-Technologie basierende Kartenprojekt im Gesundheitswesen. Damit die Patientendaten nicht einfach von jedermann gelesen werden können, produziert Giesecke & Devrient außerdem 345 000 Professional Cards mit Signaturfunktionen für Ärzte, Apotheken und Krankenhäuser. Die Daten der Patientenkarte können nur ausgelesen werden, wenn Arzt und Patient ihre Karten gleichzeitig in ein Lesegerät stecken und mit ihrer PINNummer autorisieren.

Alleskönner-Karte im Handy

Auf absehbare Zeit kann es sogar passieren, dass die Plastikkarten vielleicht ganz aus unserem Blickfeld verschwinden und ins Mobiltelefon wandern. Während es heute bereits Handys mit eingebautem Kreditkartenleser oder mit einem zweiten Steckplatz für einen Kreditkartenchip gibt, können durch die Einführung des UMTS-Standards all diese Funktionen auf einer Handykarte vereint werden. Auf diesen neuen UniverSIM-Karten von Giesecke & Devrient lassen sich nebeneinander Anwendungen für UMTS, GSM, Mobile Banking, Zahlungen mit Kredit- oder GeldKarte sowie verschiedene digitale Signaturen unterbringen und sogar gleichzeitig ausführen. Das bietet Raum für Visionen: In Zukunft kann ein Kunde in der Supermarktschlange eine UMTS-Videokonferenz verfolgen, während sein Telefon über die Bluetooth-Schnittstelle drahtlos mit der Registrierkarte die Bezahlung abwickelt. Eine solche Entwicklung würde es Oracle-Chef und Vieltelefonierer Larry Ellison ermöglichen, auf sein dickes Portemonnaie zu verzichten und trotzdem seine Rechnungen selbst zu bezahlen.




Alles auf eine Karte?

Dieter Bulle ist Divisionsleiter Zahlungsverkehrskarten bei G&D.

Report: Wie viele Daten passen auf eine moderne Kombikarte?
Bulle: State of the Art ist zurzeit 32 kByte, aber auch 64 und 128 kByte sind technisch möglich.

Report: Wie viele Funktionen kann man auf einer Karte vereinen?
Bulle: Mit genügend Speicherplatz können Sie alles auf einer einzigen Karte unterbringen. Ich würde aber mehrere Karten vorziehen - zum Beispiel Ausweis und Signatur auf einer Karte, Gesundheit auf einer anderen und Geld auf der dritten.

Report: Und warum nicht alles auf eine?
Bulle: Um Missbrauch keinen Vorschub zu leisten, wenn ich alles auf eine Karte setze.




"Der Multifunktionskarte gehört die Zukunft."
Willi Berchtold, Geschäftsführer von G&D

Markus Göbel, Journalist

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