01 - Das Magazin der CeBIT-Welt. Winter 2006: Wenn Einstein putzen geht (15.11.06)

WENN EINSTEIN PUTZEN GEHT

In Japan und Korea, den Hightechnationen Asiens, ist die AUTOMATISIERUNG der HAUSHALTE in vollem Gang. Die ITIndustrie erwartet einen neuen Megamarkt.

Von Markus Göbel

US-PRÄSIDENT GEORGE BUSH schaut skeptisch, als Albert Einstein ihn begrüßen möchte. Wird die Hydraulikkralle des zwergengroßen humanoiden Roboters seine Präsidentenhand zerquetschen? Die Maschine mit dem Aussehen des 1955 verstorbenen Physikgenies lächelt freundlich, und ihre Computerstimme spricht lippensynchron zum faltigen Knautschgesicht aus Gummi. Gebaut wurde der 1,20 Meter hohe Roboter, den George Bush während des Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsforums im koreanischen Pusan traf, vom Korea Advanced Institute of Science & Technology (KAIST). Mit seinen elektronischen Augen orientiert er sich im Raum. Bis zu 1,25 Kilometer pro Stunde schnell bewegt er sich fort. Als erster Roboter der Welt hat "Einstein" einzeln steuerbare Finger, durch eingebaute Spracherkennung nimmt er einfache Aufträge entgegen.

NOCH IST "EINSTEIN" ein Prototyp, aber mittel- bis langfristig könnten er und seine androiden Kollegen zum Standardinventar eines gutbürgerlichen Haushalts gehören. "In 50 Jahren wird fast jeder einen Roboter zu Hause haben, so wie heute fast jeder ein Auto hat", ist Markus Vincze überzeugt. Der studierte Maschinenbauer lehrt als Professor an der TU Wien und leitet das EU-Forschungsprojekt robots@home. "Der Roboter übernimmt alle Aufgaben, die man selbst nicht mag: Aufräumen, Staubsaugen, Kloputzen." Im hightechbegeisterten Südkorea soll diese Zukunftsvision schon schneller Wirklichkeit werden. Nach Schätzungen von Kim Mun Sang, dem Leiter des Center for Intelligent Robotics in Seoul, werden computerbetriebene Heinzelmännchen schon in fünf bis zehn Jahren selbstverständlich sein. Nach den Planungen des Ministeriums für Technik und Wissenschaft soll das ostasiatische Land im Jahr 2020 für 100 Milliarden Dollar Haushaltsroboter produzieren.

In einem groß angelegten Feldversuch werden Ende 2006 rund 1000 Roboter in ausgewählten Haushalten und 40 Kindergärten putzen, sich um Haustiere kümmern und den Kindern Bücher vorlesen. Die Hälfte dieser Hausdiener lässt sich über Mobiltelefone fernsteuern. Der Hausbesitzer kann etwaigen Besuchern von unterwegs über sein Handy die Tür öffnen ? oder die Polizei rufen, je nachdem. Laut Oh Sang-rok, zuständiger Projektleiter im koreanischen Informationsministerium, soll es diese Geräte schon 2007 für weniger als 2000 Dollar zu kaufen geben. Die Maschinen können deshalb relativ billig angeboten werden, weil der Großteil ihrer Software nicht fest installiert ist, sondern bei Bedarf aus dem Internet heruntergeladen wird. "Korea ist bei Haushaltsrobotern ungemein aktiv", kommentiert Professor Vincze ein wenig neidisch. "Da sind fünf Ministerien mit eingebunden."

TECHNOLOGISCH ebenfalls weit vorn, was die kommerzielle Nutzung der Robotik betrifft, liegt Japan, wo der Elektrokonzern Fujitsu schon seit einem Jahr den maschinellen Bürogehilfen "Enon" anbietet. Der zweiarmige Geselle soll in Büros, Kaufhäusern und Flughäfen Menschen beraten, Gäste führen, Objekte transportieren und Sicherheitspatrouillen durchführen. Mit massiver staatlicher Förderung wetteifern etwa 70 universitäre und 30 firmeneigene Projekte um die schnellste Markteinführung. So verkauft Sony schon seit einigen Jahren seinen Roboterhund Aibo und lässt dessen zweibeinigen Spielkameraden Qrio in Kinderprogrammen auftreten. Autobauer Honda nutzt seinen zweibeinigen Humanoiden Asimo als Werbefigur in Fernsehspots und auf Plakaten. Durch frühzeitigen Verkauf wollen sich Japans Großunternehmen ihren Anteil an einem potenziell riesigen Zukunftsmarkt sichern, denn in den rapide alternden Industriegesellschaften könnten Roboter bald viele Hilfsarbeiten übernehmen.

DOCH AUCH HEUTE sind schon in vielen Familien intelligente Haushaltsgeräte im Einsatz. So konnte die US-Firma iRobot bereits zwei Millionen ihres Staubsaugerroboters Roomba verkaufen. Im Laden kosten die flunderförmigen Geräte, die selbstständig ganze Räume bis unters Sofa säubern, nur wenige Hundert Euro. "Die Leute ändern ihre Putzgewohnheiten", sagt Greg White, General Manager von iRobot. Nach dem Abendessen bringen sie ihre Kinder ins Bett, während der Roboter den Boden reinigt. In einem Vergleichstest des TÜVs Rheinland zeigte sich jedoch, dass der Roomba, ebenso wie die konkurrierenden Geräte von Electrolux und Kärcher, noch seine Tücken hat. Alle drei hinterlassen Schmutz, besonders in den Ecken und an Teppichkanten. Laut TÜV sind sie eher eine Ergänzung zum Staubsauger.

"DIE FORSCHUNGSAUFGABEN für die Roboterwissenschaftler haben sich in den letzten 30 Jahren kaum verändert", kommentiert Markus Vincze. "Nur heute steht uns eine Million Mal so viel Rechenleistung zur Verfügung." Mit 3,2 Millionen Euro an Fördergeldern der EU und zehn Mitarbeitern entwickelt Vincze einen Haushaltsroboter, dem man seine Wohnung wie einem Gast zeigt. Dazu füttert er den Prototyp James mit Tausenden Fotos von Haushaltsgegenständen, aus denen er wiederkehrende Merkmale extrahiert, die der Roboter später selbst erkennt.

"Für Menschen ist es selbstverständlich, auf äußere Umstände zu reagieren. Sie denken funktional, also am Ergebnis orientiert", erklärt Erich Rome, Abteilungsleiter am Fraunhofer-Institut für Autonome Intelligente Systeme. "Roboter hingegen arbeiten bisher objektorientiert." Soll die Maschine einen Stuhl holen, sucht sie nach einer Sitzgelegenheit mit vier Füßen und einer Lehne. Dass ein leerer Getränkekasten denselben Zweck erfüllt, weiß sie nicht. Genau solchen Problemen widmet sich das EU-Projekt robots@home. Der Prototyp, Wert 15 000 bis 20 000 Euro, soll in sechs Jahren ein Zehntel kosten. Bei den großen Erwartungen an das Geschäft mit Haushaltsrobotern verwundert es nicht, dass auch die weltgrößte Softwarefirma ihre Claims absteckt. Das kürzlich veröffentlichte "Microsoft Robotics Studio" soll zur Standardprogrammierumgebung für Roboter werden und den Erfolg der PC-Betriebssysteme wiederholen. "Wir glauben an einen schnellen Erfolg der Robotik", sagt Tandy Tower, General Manager der Microsoft Robotics Group.

WISSENSCHAFTLER wie der australische Roboterpionier Allan Branch, der 1979 den ersten mobilen Roboter entwickelte und heute Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Denning Branch International ist, sind allerdings skeptisch. Oft schon habe es Prognosen gegeben, wonach sich die Gesellschaft in den nächsten 15 Jahren durch Roboter grundlegend verändern werde. Der tatsächliche Fortschritt sei jedoch immer gering gewesen. Dies resultiere erstens aus den Anforderungen, die in der Robotik höher seien als in jedem anderen technischen Bereich, erklärt Branch. Zweitens seien menschliche Arbeitskräfte bislang immer billiger und vielseitiger gewesen als ihre blechernen Kollegen. ||





Der Einsatz von ROBOTERN in Heim und Garten macht den Traum vom allzeit bereiten Heinzelmännchen wahr. Eine kleine Bilderreise durch die Haushaltswelten unserer nahen Zukunft.

PAPERO Der Partner Type Personal Robot (PaPeRo) von NEC sieht nicht nur niedlich aus, sondern enthält auch die neuesten Bild- sowie Spracherkennungs- und -erfassungstechnologien. Mit seinen nur 38 Zentimetern dient der kleine Roboter PaPeRo als kommunikationsfreudiger "Gesprächspartner", der Personen wiedererkennt und sogar persönlich anspricht, ihnen Nachrichten oder kurze Videobotschaften überbringt. Dank seines benutzerfreundlichen Interfaces kann er als tägliche Hilfe bei einfachen Tätigkeiten im Haushalt eingesetzt werden.

AUTOMOWER Mit dem Electrolux Automower macht Rasenmähen richtig Spaß, denn man kann sich auf das Zusehen beschränken. Zwar ist er nicht ganz so intelligent wie andere Haushaltsroboter, dafür in Europa aber schon für knapp 2000 Euro im Laden zu haben. Die zu mähende Rasenfläche muss mit einem Begrenzungskabel umgeben werden, das der Automower erkennt. So mäht er nur den abgesteckten Bereich. Sogar mit "Inseln" kommt die kleine Gartenhilfe klar, wenn der Draht um Pflanzen und Blumenbeete herum gelegt wird.

ASIMO Honda hat mit ASIMO einen zweibeinigen humanoiden Roboter erschaffen, der laufen kann. Dank Gehtechnologie kann ASIMO seine nächste Bewegung vorhersehen und den Körperschwerpunkt entsprechend verlagern. Mit einer Größe von 120 Zentimetern hat er gerade die Statur, um bestimmte Tätigkeiten in der menschlichen Umgebung auszuführen: Lichtschalter und Türgriffe bedienen oder an Tischen und Werkbänken arbeiten. Eine zusätzliche Sprechfunktion erlaubt es ihm, auf ungefähr 50 verschiedene Kommandos und Fragen zu reagieren.

CARE-O-BOT I Der Haushaltshelfer Care-O-Bot I, entwickelt im Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung, soll pflegebedürftigen Menschen den Alltag erleichtern. Er übernimmt Hol- und Bringdienste und dient als Stütze und Gehhilfe in der häuslichen Umgebung. Bedient wird Care-O-bot I über einen beweglichen Touchscreen. Als eine Art mobile Kommunikationszentrale ermöglicht der Roboter den Zugriff auf Licht, Heizung oder Alarmanlage genauso wie ein Bildtelefonat mit dem Arzt oder Angehörigen.

Mein Traumprojekt: Hosted Skype-to-SIP (Skype2SIP) (11.10.06)

Die besten Ideen entstehen angeblich aus Faulheit. Jemand hat keine Lust mehr, bestimmte Einschränkungen zu akzeptieren und erfindet etwas, damit er sich die Mühe sparen kann. Mir ging es ähnlich, als ich meine Kommunikationsinfrastruktur ansah: Mehrere Chat-Accounts bei ICQ, MSN, Yahoo und Google, über die man auch telefonieren kann, sowie sechs verschiedene Telefonnummern für Internet-Telefonie (Voice-over-IP) und einen Account bei Skype.

Die Internet-Telefonie funktioniert ganz wunderbar. Meine sechs verschiedenen Rufnummern habe ich aus den unterschiedlichsten Gründen und meine Telefonkosten konnte ich damit fast auf Null senken. Es gibt auch gar keine Verwirrung, weil immer das selbe Telefon klingelt, wenn jemand eine der Nummern anruft. Das Telefon ist an meinen lautlosen Internet-Router angeschlossen und funktioniert auch, wenn mein Computer ausgeschaltet ist.

Warum können die anderen Kommunikationsmethoden nicht genauso einfach zu bedienen sein?

Diese Frage brachte mich auf eine Idee:

FRAGE: Was nervt bei Skype am meisten?

Dass man immer online sein muss, um Anrufe zu empfangen. Dies ist nicht mehr nötig: mit Hosted Skype-to-SIP.

Hosted Skype-to-SIP ist eine Server-Anwendung. Der Nutzer gibt auf einer Website seine Zugangsdaten zu Skype ein sowie seine häusliche Telefonnummer, auf der er seine Skype-Anrufe empfangen möchte, wenn sein Computer ausgeschaltet ist. Eine Skypein-Nummer, für die man jeden Monat bezahlen muss, wird damit überflüssig.

Der Server loggt sich bei Skype ein und hält den Kontakt zu Skype. Sobald ein Anruf auf die Skype-Adresse des Nutzers eingeht, baut er über das SIP-Protokoll eine kostenlose Telefonverbindung zu der hinterlegten Telefonnummer auf. Das Telefon des Skype-Nutzers klingelt und er kann skypen, obwohl er gar nicht online ist.

Die Telefonverbindung vom Server des Dienstes Hosted Skype-to-SIP zum Telefon kann kostenlos sein, weil es in Deutschland Telefonflatrates für SIP-Telefonie gibt.

FRAGE: Was läuft auf dem Server?

Auf dem Server, der die Skype-Daten und die Telefonnummer entgegennimmt, welche der Nutzer auf der Website angegeben hat, laufen verschiedene VMWares. Jeder Nutzer bekommt also seinen eigenen virtuellen Computer, in welchem der Skype-Client und der SIP-Client installiert sind. Um die Lizenzkosten für die Software niedrig zu halten, ist das in der VMWare laufende Betriebssystem immer Linux.

Weil jedem Nutzer ein komplettes Betriebssystem zur Verfügung steht, können auch andere Dienste implementiert werden: GoogleTalk-to-SIP, MSN-Messenger-to-SIP und sogar Podcast-to-SIP oder Radio-to-SIP. Ausgabemedium ist immer das Telefon des Nutzers, ohne dass er seinen Computer einschalten muss. Die VMWare klinkt sich jeweils in Skype, GoogleTalk, MSN oder den Podcast ein und überträgt den Sound an den SIP-Client, der den Nutzer anruft, sobald er beispielsweise per Skype kontaktiert wird oder sein Lieblings-Podcast aktualisiert wurde.

FRAGE: Ist das technisch überhaupt möglich?

Falls es Probleme mit der Anbindung von Skype an den SIP-Client geben sollte, dann verwendet man in der VMWare einfach die Open Source Software "vsound". Sie spiegelt dem Skype vor, dass er seinen Sound gerade auf einer Hardware-Soundkarte ausgibt. Im Internet wird "vsound" beispielsweise benutzt, um RealAudio-Streams aufzunehmen, die eigentlich gar nicht mitgeschnitten werden dürfen. Der RealPlayer merkt davon nichts.

FRAGE: Geht das auch in die andere Richtung?

Das ganze funktioniert natürlich auch anders herum: Der Nutzer ruft eine Telefonnummer an und hört dort seinen Lieblings-Podcast oder kann Leute per Skype, GoogleTalk oder MSN Messenger erreichen, ohne dass er dafür seinen Computer einschalten muss. Die Vermittlung zu den einzelnen Services übernimmt ein Menu, das per Spracheingabe oder Telefontastatur gesteuert wird. Beispielsweise heißt es dort "Ihre Skype-Kontakte, die gerade online sind, heißen "mobiliser", "markus_goebel" und "Echo123". Drücken Sie 1 um mit dem Skype-Kontat "mobiliser" verbunden zu werden. Drücken Sie 2 um mit dem Skype-Kontat "markus_goebel" verbunden zu werden."

Doch diese Funktion ist gar nicht das wichtigste. Das beste ist, dass man immer per Skype erreichbar ist, ohne seinen Computer eingeschaltet zu lassen.

FRAGE: Lässt sich das um weitere coole Services erweitern?

Dadurch, dass für jeden Nutzer eine eigene VMWare eingerichtet wird, ist das System zukunftskompatibel. Alle möglichen kommenden Services können schnell implementiert werden: zuerst Skype, dann GoogleTalk, dann der Podcast und dann immer abgefahrenere Ideen, wie die folgende:

Beispielsweise wäre es auch möglich, einem deutschen Nutzer einfach eine peruanische lokale Telefonnummer zu besorgen. Dazu müsste nur ein weiterer SIP-Client in der VMWare laufen, der bei einem einem peruanischen SIP-Provider eingeloggt ist. Theoretisch wäre es sogar möglich, jedem Nutzer eine fast unbegrenzte Menge an lokalen Telefonnummern aus verschiedenen Ländern zu besorgen. Anrufe auf den verschiedenen Nummern werden alle zu seinem Telefon durchgeleitet. Der Vorteil: Seine Freunde aus aller Welt können ihn immer schön billig zur jeweiligen Ortsgebühr anrufen.

FRAGE: Geht aus auch aufs Handy?

Aber natürlich! Unter geschickter Ausnutzung von Handy-Flatrates wie BASE können auch alle Services auf das Handy umgeleitet werden. Man ist immer per Skype, GoogleTalk und MSN Messenger auf seinem Handy erreichbar, ohne dass man überhaupt ins mobile Internet gehen muss.

FRAGE: Hat Skype denn nichts dagegen, dass sein Skypein-Service damit überflüssig wird?

Ja, wahrscheinlich würde es die Firma Skype ziemlich stören und sie würden versuchen, den IP-Nummernbereich des Servers von Hosted Skype-to-SIP zu blockieren. Doch auch das kann man umgehen: Die VMWares auf dem Server verbinden sich mit Skype über das anonyme Proxy-Netzwerk TOR, so dass jeder Nutzer eine andere IP-Nummer aus einem anderen Land hat. Skype würde also gar nicht merken, dass alle Anmeldungen in Wirklichkeit vom selben Server kommen.

FRAGE: Werden die Leute einfach ihre privaten Anmeldedaten für Skype, GoogleTalk und MSN Messenger auf dem Server von Hosted Skype-to-SIP hinterlegen?

Auf jeden Fall! Sie bekommen ja auch einen super Service dafür. Wer seine Login-Daten für Skype und die anderen nicht preisgeben möchte, der richtet sich eben eine zweite Skype-Identität nur für Hosted Skype-to-SIP ein.

FRAGE: Wie finanziert sich der Service für den Betreiber des Servers?

Diese Frage lässt sich nicht ganz so leicht beantworten. Auf jeden Fall ist der Betrieb sehr billig, weil er mit Telefon-Flatrates und kostenlosen Software-Lizenzen erfolgt. Andere berühmte Services, wie beispielsweise YouTube, haben die Frage der Finanzierung bisher auch noch nicht geklärt. Sie haben im Vergleich zum hier beschriebenen Hosted Skype-to-SIP riesengroße Server-Kosten für ihr Video-Streaming und fast keine Einnahmen durch Werbung. Trotzdem wird YouTube gerade für 1,6 Mrd. Dollar an Google verkauft.

Die Finanzierung des hier beschriebenen Services Hosted Skype-to-SIP könnte durch Werbung erfolgen. Vorzuziehen ist aber der baldige Verkauf an eine andere Firma, die ihn in ihre Gesamtstrategie einbeziehen könnte. Ein Beispiel für einen potenziellen Käufer wäre ein großes Internet-Portal wie MySpace oder web.de. Dort würde der Service dafür sorgen, dass die Nutzer immer wieder auf die Website von MySpace zurück kommen, um ihre hinterlegte Telefonnummer zu ändern oder die in der Abwesenheit eingegangenen Nachrichten abzuhören. Außerdem würde dieser Service, der die Kommunikation extrem vereinfacht, allgemein die Coolness der jeweiligen Portal-Website erhöhen.

FRAGE: Kann die VMWare wirklich erfüllen, was hier beschrieben wird?

Das wird sich zeigen. Es muss auf jeden Fall eine Software-Lösung gefunden werden, welche die Brücke vom Skype und den anderen Diensten zum SIP schlägt. Wahrscheinlich muss man nicht einmal VMWare dafür einsetzen, sondern kann auf Lösungen wie MESSiX 1.0, CTS All-in-one Server oder den Uplink Skype to SIP Adapter zurück greifen. Das sind Softwares für IP-Telefonanlagen, die Skype mit SIP koppeln. Man müsste sie nur noch auf einem Webserver installieren.

01 - Das Magazin der CeBIT-Welt. Frühjahr 2006: Bewegende Bilder (1.3.06)

BEWEGENDE BILDER

Die ersten DVB-H-Fernseh-Handys kommen in Deutschland zur CeBIT auf den Markt. Japan und Korea sind schon weiter. Dort steht das Mobiltelefon im Zentrum eines drahtlosen Lebensstils.

MATTHIAS OPDENHÖVEL ist auf vielen Kanälen zu sehen: auf Viva, ProSieben, Sat.1, Vox, WDR und 9Live. Und jetzt auch auf dem handtellergroßen Bildschirm eines Handys. Der TV-Moderator stellt in diesem Pilotprogramm der Produktionsfirma UFA Fragen zu Shows wie "Herzblatt" und zeigt Ausschnitte aus den Sendungen. Danach erscheinen neben dem kleinen TV-Bild vier Antwortmöglichkeiten zum direkten Anklicken auf dem Schirm. Die Antwort wird sofort per SMS in die Zentrale gesendet. "Mobiles TV ist ein bisschen wie Radio", sagt Bernd Curanz, Geschäftsführer der Berliner Neva Media, eines Entwicklers mobiler TV-Programme. "Man muss jederzeit rein- und rausschalten können, ohne Angst zu haben, etwas zu verpassen."

AUSGESTRAHLT werden die bewegten Bilder im Standard "Digital Video Broadcasting for Handhelds" (DVB-H), mit dem ein Fernsehempfang auch auf Mobiltelefonen und Taschen-Computern möglich wird. "Damit die Batterien nicht schon vor der Wettervorhersage den Geist aufgeben, reduziert DVB-H den Leistungsverbrauch der Handy-Akkus etwa auf ein Sechstel", erklärt Professor Ulrich Reimers, Technikchef des Branchenverbands DVB-Forum. Im Gegensatz zum normalen Fernsehen ist DVB-H von Anfang an interaktiv. Per UMTS können die Zuschauer direkt reagieren. So hat Neva um die Serie "Verliebt in Berlin" einen ganzen Shop gebaut, in dem die Fans sofort Merchandising-Produkte der Serie wie T-Shirts oder Schlüsselanhänger ordern können.

2005 wurden laut Strategy Analytics weltweit bereits 1,9 Millionen Fernseh-Handys verkauft. In Deutschland sollen die ersten Geräte mit eingebautem DVB-H-Empfänger zur CeBIT auf den Markt kommen ? wie das stylische Nokia N92. "Wir setzen große Hoffnungen auf das Handy-Fernsehen", sagt T-Mobile-Sprecher René Bresgen. Auch die TV-Sender hegen hohe Erwartungen. "Unser Fokus liegt 2006 klar auf dem Mobiltelefon", erklärt MTV-Geschäftsführerin Catherine Mühlemann.

"MOBILES TV kann in Deutschland schon in fünf Jahren 450 Millionen Euro Umsatz bringen", prognostiziert Klaus Goldhammer, Geschäftsführer der Beratungsfirma Goldmedia. Der Vorreiter in Europa ist aber wieder einmal Finnland. Im Heimatland von Nokia läuft bereits das Bieterverfahren zur Vergabe kommerzieller Sendefrequenzen.

In den asiatischen Hightech-Nationen dagegen ist Handy-TV schon etabliert. Der Trend geht dort ohnehin zum Hybrid- Handy, das zahlreiche Funktionen in sich vereint: MP3-Player, Digitalkamera, Organizer und eben Fernseher. Dabei verschmilzt es zunehmend mit anderen Endgeräten: Ist das W800i von Sony-Ericsson nun ein Walkman oder ein Telefon? "Generell sind Mobiltelefone dabei, sich zum Online-Computer im Hosentaschenformat zu entwickeln", antwortet Jan Michael Hess von der Beratungsfirma Mobile Economy. In Japan verkaufen sich Handys mit Satellitennavigation gut. Der zweitgrößte Mobilfunkbetreiber KDDI hat über die Hälfte seiner 21 Millionen Kunden damit ausgestattet. Die GPS-Navigation für Fußgänger ist der Renner in Tokio.

MARKTFÜHRER NTT DoCoMo propagiert einen komplett drahtlosen Lebensstil, in dessen Zentrum Handys mit kontaktlosen FeliCa-Chipkarten stehen. Sieben Millionen Exemplare haben die Japaner bereits verkauft. "Daraus ist ein regelrechtes Ökosystem entstanden, bei dem das Handy als mobile Bezahlungsmethode, Mitgliedsausweis, Zugticket, Hotelschlüssel und mehr dient", sagt der in Peking ansässige französische Mobilfunkexperte Benjamin Joffe von der Consulting-Firma Plus Eight Star. Die Luftfahrtgesellschaft ANA, McDonald?s, der Videoverleih Geo oder die Spielhallenkette Sega akzeptieren diese Zahlungsform. Auch die meisten Drehkreuze der Tokioter Bahnhöfe sind mit FeliCa-Lesegeräten ausgerüstet. In Korea brachte der Provider SK Telecom im Sommer den Service "1 Millimeter" heraus, dessen Name eine intime Beziehung zum Mobiltelefon verkörpern soll. Auf dem Bildschirm jedes Handys findet sich eine kleine Figur, die von künstlicher Intelligenz gesteuert wird; sie kann der Nutzer zum Beispiel nach dem Wetter fragen, sie berät den Besitzer auch bei der Auswahl neuer Musikstücke. "Wer Langeweile hat, kann mit der Figur sogar chatten", sagt SK-Telecom-Sprecherin Kim Hye-jin. Und verspricht: "Das ist nie langweilig, weil die Software hoch entwickelt ist."



WEG VOM FESTNETZ?

MOBILFUNKER WIE O2 bauen die Alternativen zum Festnetz konsequent aus. "Schon heute verzichten etwa 20 Prozent unserer 3,2 Millionen Genion- Kunden vollständig auf den Festnetzanschluss", sagt Rudolf Gröger, CEO bei O2 Germany. Von den 14- bis 29-jährigen Deutschen können sich laut Emnid immerhin 27 Prozent vorstellen, auf das Festnetz ganz zu verzichten.

BEREITS IM JAHR 2009 wird laut der Gartner-Marktforschung ein Drittel aller Telefonkunden weltweit seine Festnetzanschlüsse gekündigt haben und nur noch mobil oder über Internet telefonieren. Dann sollen 70 Prozent aller Sprachtelefonieverbindungen kabellos sein. "Was die Kunden vom Festnetz zum Mobilfunk lockt, sind nicht so sehr die fallenden Preise", sagt Klaus von den Hoff von Mercer Management Consulting. "Es ist die ungleich höhere Attraktivität des Mobilfunkangebots, das Technik mit Lifestyle-Aspekten verbindet und Emotionalität erzeugt."

Markus Göbel, Journalist

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